Alkohol-Kontakt-Minden
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Abhängiger & Co-Abhängiger: Konstellationen


Die Partnerwahl von Alkoholikern fällt oft auf...
* tüchtige, aber bescheidene Menschen,
* die sich zurücknehmen können,
* die weder viele Freunde noch Interessen und Ambitionen haben,
* die es schätzen, sich um alles zu kümmern,
* und die immer für sie da sind,
* ohne selbst nennenswerte Ansprüche zu stellen.
Auch wenn dieses Charakterprofil zu Beginn der Beziehung oft noch nicht vorhanden ist, gelingt es vielen Süchtigen im Laufe der Zeit, ihre Partner so lange unter Druck zu setzen und zu 'erziehen', bis sie dem Ideal schließlich entsprechen.
Als 'Gegenleistung' erhält der/die Auserwählte die Bereitschaft des Süchtigen,
* sich ganz und gar auf ihn/sie zu fixieren,
* andere Menschen und Interessen dafür zu vernachlässigen
* und sich - in einem begrenzten Rahmen - gewissen Regeln zu unterwerfen.
Aus dieser Konstellation erwächst die typische, gegen die Außenwelt hermetisch abgeschlossene Alkoholikerfamilie... der Fels in der stürmischen Brandung.
Wenn die Alkoholabhängigkeit schon so weit fortgeschritten ist, dass diese Erwartungen auf Seiten des Süchtigen schon zu Beginn erkennbar sind, spricht dieses Partnerschaftsmodell häufig Menschen an, die ihren eigenen Fähigkeiten so wenig vertrauen, dass sie Konkurrenz und echte Autonomie ('vorwärts allein im Sturm') nicht ertragen könnten. Vor allem Töchter suchtkranker Eltern sind gefährdet, ein solches Selbstbild - und eigene Abhängigkeiten - zu entwickeln.
Sie sind es - häufig von Kindheit an - nicht gewohnt und erwarten auch nicht, dass sich jemand ernsthaft für sie interessiert. Auch in Partnerschaften mit größter Nähe und Abhängigkeit ist ihre Individualität deshalb nicht allzu gefragt, weil sie sich selbst gar nicht erst als eigenständig ins Spiel zu bringen versuchen. Viele Coabhängige halten sich selbst für relativ unbedeutend, vielleicht sogar 'strafwürdig', und stellen deshalb das Leben des anderen über ihr eigenes. Dabei 'docken' sie aber gleichzeitig an das andere Leben an und wachsen somit über sich hinaus. Frei nach Goethes Motto: "Immer strebe zum Ganzen, und kannst du selber kein Ganzes werden, als dienendes Glied schließ an ein Ganzes dich an." Durch diese Strategie der Erweiterung empfinden sie ein Gefühl von Stärke, das ihnen sonst versagt bliebe.
Vor diesem Hintergrund sind sie dem Alkoholiker (wie auch z.B. dem Narzissten) kein Stachel im Fleisch, wie es Menschen wären, die ihr Leben eigenständig sinnvoll zu gestalten wissen, Freunde haben und nicht unbedingt auf andere angewiesen sind. Der Süchtige ist dazu ja nach längerer Abhängigkeit selbst nicht mehr in der Lage, und die Gegenwart erfolgreicher Menschen lässt ihn seine Misere um so deutlicher spüren. Deshalb hat er - abgesehen vom Partner und einigen unkritischen (Sauf)Kumpanen - meist keinen allzugroßen Bekanntenkreis. Kritische und selbständige Freunde wurden ja schon frühzeitig 'entlassen'. Übrig bleiben affirmative, nicht allzu tiefsinnige, im Idealfall ebenfalls trinkende 'Party People'. Diese Wahl des Freundeskreises erklärt sich u.a. dadurch, dass Alkoholiker aufgrund des Wissens um eigene Defizite meist chronisch neidisch und eifersüchtig sind.
Die Partner von Alkoholikern können und dürfen selbst kaum Unterstützung von Seiten des Süchtigen erwarten. Der Abhängige hat mit sich schon genug zu tun und daher keine Antenne für die Sorgen der Familie. So nimmt er dann in der Regel ganz selbstverständlich an, dass der andere sein Leben ganz nach seinen Bedürfnissen ausrichtet. Ist er dazu nicht bereit, wird ihm ebenfalls mit Entlassung gedroht; tut er es aber, wird er benutzt, verachtet und später gar für die Misere (mit)verantwortlich gemacht. Wie er sich dreht und wendet, es ist falsch. Das ist übrigens der Grund, warum viele langjährige Partner Alkoholabhängiger wirklich coabhängig sind: wären sie es nicht, hätte man ihnen längst den Laufpass gegeben, oder sie hätten das Handtuch geworfen.
Das Desinteresse des Alkoholikers an der Person des anderen - bei gleichzeitigem Interesse an der Funktion, die er im eigenen Leben erfüllt -, erklärt übrigens, warum er sich oft so ganz ohne Bedauern radikal von seinem Leidensgenossen abwendet, sobald es ihm besser geht (nach dem Entzug z.B.) oder sobald jemand in sein Leben tritt, der 'geeigneter' erscheint.
Echte Liebe basiert ja auf einer fruchtbaren Interaktion zwischen zwei eigenständigen, halbwegs stabilen Persönlichkeiten, die den anderen in - oder gerade wegen - seiner Andersartigkeit zu schätzen wissen. In einer coabhängigen Beziehung ist aber genau das nicht der Fall: Der Coabhängige erwartet gar kein echtes Interesse, und der Alkoholabhängige will oder kann es nicht aufbringen. Dennoch sieht das Ganze aufgrund der großen Nähe von außen (und auch oft im Verständnis beider) aus wie Liebe, obwohl es sich eigentlich eher um ein gegenseitiges Benutzen handelt.
Dieses besondere Verhältnis ist jedoch keine reine Täter-Opfer-Konstellation. Auch der Coabhängige hat Macht über seinen Partner; er organisiert, deckelt, hält ihm den Rücken frei und wird somit unverzichtbar (bis ein anderer seine Rolle zu übernehmen bereit ist). Das Spiel ist komplex: Wird der Alkoholiker aggressiv, nimmt er sich zurück; bricht der Alkoholiker Regeln und Absprachen, hat das eine Bestrafung zur Folge. Auf diese Weise quälen sich die Partner oft jahrelang gegenseitig, wobei auch im Auf und Ab eine gewisse absurde Balance und Stabilität gewahrt bleibt.
Dabei glauben viele Coabhängige fest daran, mit genügend Liebe, Zuwendung, Erziehung und Kniffen das Ruder doch noch herumreißen zu können; obwohl sie das unbewusst gar nicht wollen und eigentlich alles dafür tun, dass die Situation unverändert fortbesteht.


Destruktive Vorurteile gegenüber Co-Abhängigen
Gerade die Partnerinnen Alkoholabhängiger haben häufig mit Vorurteilen und Anfeindungen in ihrem sozialen Umfeld zu kämpfen. Das liegt unterem daran, dass viele Süchtige weitreichende manipulative Fähigkeiten entwickeln, die sie dazu verwenden, ihre Umwelt glauben zu machen, sie seien nicht selbst für ihre Misere verantwortlich zu machen, sondern beispielsweise die böse, ewig nörgelnde, unausstehliche Ehefrau. Wenn sich beim Alkoholiker Eloquenz dann noch mit Charme paart, sind viele Mitmenschen eher geneigt, ihm zu glauben, als seiner 'sauertöpfischen' Ehefrau, die sich ohnehin in letzter Zeit gehen lässt, obwohl sie doch ihren Kontrollzwang und ihre Herrschsucht ganz und gar ausleben kann (so das verbreitetste Vorurteil). Zwei Bilder von der Coabhängigen - die sich oft überlagern - dominieren dabei die öffentliche Meinung:
1.) Die charakterschwache, abhängige, Kraft saugende Frau mit Helfersyndrom, die alleine gar nichts wäre, und
2.) die herrschsüchtige, dominante, zeternde, manipulative Frau, die den Süchtigen missbraucht, um ihr Ego 'aufzupolieren'.
Im Folgenden möchten wir die vorherrschenden Klischees - die aber doch auch auf realen Verhaltensmustern basieren - noch etwas ausdifferenzieren. Dabei stellen wir die einzelnen 'Typen' in zwei Kategorien bewusst überspitzt dar, um Zusammenhänge besser zu verdeutlichen.

 

+++ "Das Opfer" +++
Die Naive...
glaubt und hofft auf ewig, verdrängt die Tatsachen, ignoriert alle Hinweise und ist sich sicher, dass alles irgendwann wieder in's Lot kommt.
Die Kompetente...
ist tüchtig und hat alles gut im Griff; sie ist ein Segen für jeden Haushalt, und der Alkoholiker kann sich glücklich schätzen, sie zu haben, denn ohne sie wäre er nichts.
Das Muttchen...
putzt, kocht, regelt, wischt die Kotze weg und hat kein eigenes Leben; sie opfert sich für 'ihr Baby'.
Die Masochistin...
bittet, bettelt, fleht und liebt, erniedrigt sich und wird dafür nur getreten; sie hält sich selbst für unwert und genießt es, gequält zu werden.
Die Depressive...
ist ständig traurig, kraftlos und müde, lässt sich gehen, kommt nicht mehr aus dem Bett, vernachlässigt ihre Familie, bekommt nichts mehr 'auf die Reihe' und verschwindet von der Bildfläche. Die armen Kinder.


+++ "Die Täterin" +++
Die Domina...
droht (mit Liebesentzug, Trennung und Enttarnung), herrscht, straft und unterdrückt, kontrolliert (sucht und markiert Flaschen), verfolgt und bespitzelt (durchwühlt Taschen), erzieht, reglementiert und demütigt den Abhängigen privat und in der Öffentlichkeit. Der arme Mann.
Die Furie...
nörgelt, zetert, nervt, sucht Streit und sinnt auf Rache, intrigiert, verleumdet, stellt bloß, hat Lust an der Zerstörung und verwendet alles gegen den Süchtigen (Vorsicht: Alkoholikerparanoia!)
Die Egoistin...
wendet sich ab vom Elend, kümmert sich nur noch um sich, vernachlässigt ihren Mann und die Familie, kommt ihren Pflichten nicht nach, ist nie mehr zu Hause, denkt nur an die eigene Karriere und ignoriert alle Hilferufe.
Die Vampirin...
saugt Selbstwert aus dem Hilfsbedürftigen, weil sie selbst so blutarm ist; sie fürchtet jegliche Veränderung, um nicht zusammenzubrechen.

 

+++ "Opfer und Täterin zugleich" +++
Die Heilige...
ist stets perfekt und fehlerlos, selbstgerecht und moralisch immer im Recht; sie lässt in ihrer Makellosigkeit alle klein und schlecht erscheinen, und niemand hat neben ihr eine Chance, sich zu entfalten.
Die Komplizin...
versteht, verzeiht, vergibt und tröstet, ebnet den Weg, erklärt und entschuldigt, wimmelt Eindringlinge ab und lügt für den Süchtigen.

 

Folgen für den Co-Abhängigen


* Somatische Folgeerkrankungen von:
Herz (Herzinfarkt), Kreislauf (Bluthochdruck!), Magen und Darm
* Immunschwäche aufgrund von Selbst-Vernachlässigung und Dauerstress:
Gefahr von Ansteckungen und Krebserkrankungen nimmt zu
* Suizidgefahr, Selbstverletzungen
* Realitätsverlust, Verlust des Selbstwertgefühls
Ängste, Depressionen, Paranoia, Schizophrenie
* Eigener Substanzmissbrauch
Alkohol, Schlaf- und Schmerztabletten, Psychopharmaka, Drogen...
* Riskantes Verhalten
Rasen, ungeschützter Sex etc. als versteckter Selbstzerstörungstrieb und zum Frustrationsabbau
Coabhängigkeit ist eine ernstzunehmende Krankheit, die körperliche, psychische und kognitive Schäden anrichtet und unbedingt behandelt werden muss.

 

+++ Was führt zu psychosomatischen Erkrankungen? +++
*** Angst:
* vor verbaler und körperlicher Gewalt, Aggressionen, Missbrauch
* vor unerwarteten Ausbrüchen und Krisen,
* um die Kinder,
* um den Abhängigen (Folgeschäden, Suizid, Absturz)
* vor finanziellem Ruin, Verlust der Wohnung, der Arbeit, sozialem Abstieg
* vor der Geringschätzung durch Freunde, Bekannte und Verwandte
* vor Einsamkeit, Isolation
* vor totalem Verlust der Kontrolle
*** das Eintreten des oben Genannten
*** Schuldgefühle, Scheitern, Versagen
*** der Verlust des Selbstwertgefühls
*** emotionale Vernachlässigung durch den Partner
*** emotionale Verletzungen durch den Partner


Auch angesichts schwerer Enttäuschungen und der völligen Zerrüttung des Vertrauens halten oft beide Partner noch lange an der Beziehung fest, weil sie der Meinung sind, dass der Status Quo immer noch erstrebenswerter ist als jegliche Veränderung (die ja beispielsweise dazu führen könnte, vom Anderen verlassen zu werden). Häufig muss es erst zu ernsthaften Krisen kommen (durch schwerwiegende Erkrankungen, Straftaten, Verlust des Arbeitsplatzes usw.), ehe Veränderungen ins Auge gefasst und Hilfsangebote angenommen werden.

Königstr. 80
32427 Minden

Fest: 0571-21962

Mobil: 0176-24463632

Mail: kontakt@alkomi.de

WhatsApp: 015153155610

+++++Ab Montag den 07.01.2019 gibt es wöchentlich eine Gruppe für Jugendliche um 17.00 Uhr+++++

Gruppen Betroffene:

täglich von Montags bis Freitags 20.00 - 22.00 Uhr. 
Die Montagsgruppe ist  auch für andere Drogen und Mehrfachabhängig-keiten eingerichtet.

Nichtrauchergruppen:

Dienstags und Freitags 20.00-22.00 Uhr

Gruppe Angehörige: 
Freitags 20.00-22.00 Uhr.

Offene Gruppen:

Mittwochs 
von 20.00-22.00 Uhr,  und 
Sonntags von 10.00-12.00 Uhr

Neu!!! Gruppe für Jugendliche:

Montags von 17.00-18.30 Uhr ab dem 07.01.2019

 

Persönliches Einzel oder Infogespräch:

Montags bis Freitags um 19.00 Uhr für Betroffene

 

Mittwochs und Freitags um 19.00 Uhr für Angehörige

 

Keine Terminab-sprache erforderlich.

Termine

Freitag 21.12.2018

18.45 Uhr: Treffen zur Abfahrt zum Kranken-haus Lübbecke

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Freitag 04.01.2019

18.45 Uhr: Treffen zur Abfahrt zum Kranken-haus Lübbecke

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Samstag 05.01.2019

nur intern: 15.00 Uhr Gruppensprecher-treffen